FREIMAUREREI FÜR FRAUEN UND MÄNNER

Maria Deraismes gehörte zu den Freidenkern („Libres Penseurs“) und organisierte mit ihnen 1881 den ersten antiklerikalen Kongress. Die Männerloge "Les Libres Penseurs" von Le Pecq wurde von der "Grande Loge Symbolique Ecossaise de France" unabhängig und fasste den außergewöhnlichen Beschluss, künftig auch Frauen als Mitglieder aufzunehmen. Am 14. Januar 1882 initiierten sie Maria Deraismes; damit war sie die erste Frau, die in die Freimaurerei aufgenommen wurde. Nach heftigen Protesten führte dies allerdings zur Schließung der Loge.

In Großbritannien brachte ihr ihre Arbeit großes Ansehen und verschaffte ihr Einfluss auf die amerikanische Aktivistin Elizabeth Cady Stanton, die sie nach ihrem Durchbruch in der Freimaurerei noch im selben Jahr traf.  In Paris war auch der Senator und „Conseiller Général“ Georges Martin davon überzeugt, dass Frauen eine größere Rolle in der Gesellschaft spielen sollten. Aus diesem Grund kämpfte er an ihrer Seite mehr als 10 Jahre vergeblich für deren Zugang zur Freimaurerei. So beschlossen sie, die erste Loge der Welt zu gründen, die sowohl Männer als auch Frauen als Mitglieder akzeptierte. Am 14. März 1893 wurden 16 Frauen eingeweiht. Am 4. April 1893 gründete sie die erste gemischtgeschlechtlich arbeitende Großloge "Ordre Maçonique Mixte International," „Le Droit Humain“.  

Annie Besant war eine britische  Frauenrechtlerin, linke Politikerin, Autorin  und Theosophin. Sie   hörte 1902 durch Francesca Arundale in London vom Droit Humain. In Paris wurde sie im selben Jahr in die ersten Grade aufgenommen. Sie gründete die erste Loge  des Droit Humain in Großbritannen, in London. Annie Besant, die zu dieser Zeit längst eine führende Position in der Theosophischen Gesellschaft inne hatte, brachte einige Mitglieder der Gesellschaft in die Freimaurerei. Erwähnenswert ist Charles W. Leadbeater. Sie führte die "Universal Co-Masonry" (ursprünglich "Joint Masonry" genannt) in England und in Indien ein und gründete eine ganze Anzahl von Logen, als erste in London die Mutterloge "Human Duty". Auch am Zentralpunkt der theosophischen Bewegung, in Indien, entstand eine solche. Annie Besant stiftete Logen in Benares, Bombay, Adyar und Rangoon.

Der Droit Humain, der nach einer strengen hierachischen Struktur arbeitet,  gründete in den folgenden Jahren Logen auf der ganzen Welt.

 

HUMANITAS Großloge für Frauen und Männer in Deutschland

Der Droit Humain gründete auch 1921 in Frankfurt/Main die älteste Loge in Deutschland, mit dem Namen "Goethe", in der Frauen und Männer als Mitglieder aufgenommen wurden und zusammenarbeiteten. Mitglieder dieser Loge hatten wesentlichen Anteil an dem Aufbau einer zweiten gemischten Loge in München, die 1956 zunächst unter dem Namen "Henri Dunant" gegründet wurde. Beide Logen verließen 1959 den Droit Humain. Die Münchener Loge wechselte ihren Namen und hieß fortan „Mozart zu den drei Rosen“. Die Frankfurter Loge "Goethe" erweiterte ihren Namen zu "Goethe zum flammenden Stern." Die Frankfurter und die Münchener Loge  gründeten im selben Jahr den „Universalen Freimaurerorden HUMANITAS“, der heute unter dem Namen HUMANITAS Freimaurergroßloge für Frauen und Männer in Deutschland e. V. arbeitet. Es gehören sechzehn Logen zu dieser Großloge. Sie arbeiten in Deutschland vom Norden bis zum Süden und vom Osten bis zum Westen. 

Das Besondere dieser Großloge ist die Ritualfreiheit aller Mitgliedslogen.